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Altenhilfe-Informations-System des Landkreises Fürth

Informationen zur Seniorenhilfeplanung

Im Landkreis Fürth wird seit 1996 systematisch Seniorenhilfeplanung betrieben. Zunächst beauftragte man damals zusammen mit den anderen mittelfränkischen Landkreisen den Bamberger Forschungsverbund, bestehend aus Prof. Dr. Pieper (Lehrstuhlinhaber für Sozialplanung an der Universität Bamberg) und dem sozialwissenschaftlichen Institut MODUS, mit der nach Art. 69 AGSG (früher: Art. 3 AGPflegeVG) vorgeschriebenen Bedarfsermittlung.

Ende des Jahres 1999 fand im Landkreis Fürth eine Weiterentwicklung der Seniorenhilfeplanung statt, indem man sich nicht mehr nur auf die gesetzlich vorgeschriebene Bedarfsermittlung beschränkte, sondern den Bamberger Forschungsverbund mit der Erstellung eines Seniorenhilfeplanes beauftragte, der sich auch auf andere Bereiche wie z.B. der „offenen Seniorenhilfe“ erstreckte.

Nachdem Ende des Jahres 2002 mit der Verabschiedung des Seniorenhilfeplanes im Landkreis Fürth erstmals ein umfassender Überblick über die Versorgungslandschaft im Bereich der Seniorenhilfe vorlag, wurde von den politischen Entscheidungsträgern im Landkreis Fürth der Beschluss zu einer kontinuierlichen Seniorenhilfeplanung gefasst. Hierzu wurde der für die Erstellung des Seniorenhilfeplanes gebildete Arbeitskreis reaktiviert und als „Planungsgruppe Seniorenhilfe“ eingesetzt. In diesem Gremium wurde u. a. beschlossen, neben der im dreijährigen Turnus fortzuschreibenden Bedarfsermittlung auch ein umfassendes EDV-gestütztes „Altenhilfe-Informations-System“ (AHIS) aufzubauen.

Das grundsätzliche Ziel von AHIS bestand darin, die Angebotstransparenz im Rahmen der Seniorenhilfe wesentlich zu verbessern. Angestrebt wurde ein umfassendes und möglichst automatisiertes Programm, in das Einrichtungen und Dienste eigenverantwortlich Informationen und Angebote einstellen können. Die Internet-Lösung sollte insbesondere Ärzten, Krankenhäusern, Interessenvertretungen von SeniorInnen, aber auch den SeniorInnen selbst und deren Angehörigen einen umfassenden Überblick über alle Bereiche der Seniorenhilfe im Landkreis Fürth bieten. Um dabei den Praxisbezug zu gewährleisten, wurden jeweils Projektgruppen mit den in den verschiedenen Bereichen der Seniorenhilfe Tätigen gegründet.

Als erstes „Modul“ des „Altenhilfe-Informations-Systems“ wurde im Jahr 2005 mit Hilfe einer aus HeimleiterInnen und anderen wichtigen Akteuren aus dem stationären und teilstationären Pflegebereich bestehenden Projektgruppe eine „erweiterte Pflegeplatzbörse“ erstellt. Diese sollte im Gegensatz zu den bisher im Internet befindlichen „Pflegeplatzbörsen“ nicht nur dazu dienen, einen Heim- bzw. Pflegeplatz für sich oder einen Angehörigen zu finden, sondern darüber hinaus auch umfassend über das Angebot und die Leistungen der verschiedenen stationären und teilstationären Einrichtungen informieren.

Als zweites „Modul“ des „Altenhilfe-Informations-Systems“ wurde im Jahr 2006 der Bereich der ambulanten Pflege integriert. Um auch hier den Praxisbezug zu gewährleisten, wurde ebenfalls wieder eine Projektgruppe mit Pflegedienstleiterinnen und anderen wichtigen Akteuren aus dem ambulanten Pflegebereich gegründet. Ähnlich wie das bei den stationären und teilstationären Einrichtungen mit der „Pflegeplatzbörse“ der Fall ist, bietet das Altenhilfe-Informations-System (AHIS) seit Ende 2006 damit auch einen detaillierten Überblick über das Angebotsspektrum der einzelnen ambulanten Pflegedienste im Landkreis Fürth.

In den Jahren 2007 und 2008 wurde ein weiterer Ausbau des Altenhilfe-Informations-Systems realisiert, indem AHIS mit Hilfe einer Projektgruppe aus Gemeindevertretern und anderen wichtigen Akteuren aus dem Bereich der gemeindlichen Seniorenarbeit auf den Bereich der „offenen Seniorenhilfe“ ausgeweitet wurde. Hier wurden alle Einrichtungen, Maßnahmen, Angebote und Veranstaltungen zusammengefasst, die sich nicht auf die Erbringung professioneller Pflegehilfen beziehen, sondern den Bereichen der allgemeinen Beratung und anderen „offenen“ Hilfen, wie z.B. der Nachbarschaftshilfen und Besuchsdienste sowie der Freizeitgestaltung, wie z.B. Seniorenbegegnungsstätten, Seniorenclubs und anderen Veranstaltungen für ältere Menschen, zuzurechnen sind. Um dabei – ähnlich wie in den anderen Modulen von AHIS – die Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen zu garantieren, wurde in jeder Gemeinde eine verantwortliche Person benannt (sogenannte/r GemeindeadministratorIn), der die vorhandenen Angebote und Veranstaltungen im Bereich der „offenen Seniorenhilfe“ immer auf dem aktuellen Stand halten sollte. Um den GemeindeadministratorInnen ihre Aufgabe zu erleichtern, werden seitdem von MODUS regelmäßig Schulungen der GemeindeadministratorInnen durchgeführt, um die fachgerechte Bedienung des dritten Moduls von AHIS zu gewährleisten.

Parallel zur Entwicklung des dritten Moduls von AHIS wurde gemäß des von der Planungsgruppe beschlossenen Ablaufplanes die nach Art. 69 Abs. 1 AGSG vorgeschriebene Bedarfsermittlung zum dritten Mal fortgeschrieben. Diese Fortschreibung konnte dann auch gleich als erster Teilbericht des „Seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes für den Landkreis Fürth“ angesehen werden. Zwischenzeitlich wurde nämlich der frühere Art. 3 AGPflegeVG folgendermaßen in den Art. 69 AGSG integriert:

  1. Die nach den Art. 71, 72 und 73 zuständigen Aufgabenträger stellen im Benehmen mit den Gemeinden, den örtlichen und regionalen Arbeitsgemeinschaften der Pflegekassen, den überörtlichen Trägern der Sozialhilfe und den Trägern der Pflegeeinrichtungen den für ihren Bereich erforderlichen längerfristigen Bedarf an Pflegeeinrichtungen fest.
  2. Die Bedarfsermittlung ist Bestandteil eines integrativen, regionalen seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes, das nach dem Grundsatz‚ „ambulant vor stationär“ die Lebenswelt älterer Menschen mit den notwendigen Versorgungsstrukturen sowie neue Wohn- und Pflegeformen für ältere und pflegebedürftige Menschen im ambulanten Bereich umfasst.

Durch den Absatz 2 werden in Bayern somit erstmals die Landkreise und kreisfreien Städte verpflichtet, eine umfassende Seniorenhilfeplanung durchzuführen, die über eine reine Bedarfsermittlung im Bereich der Pflege hinausgeht und auch andere Bereiche, wie z.B. die offene Seniorenhilfe, umfasst. Zur leichteren Umsetzung des gesetzlichen Auftrages wurden vom Bayerischen Sozialministerium Vorgaben für die Erstellung von „Seniorenpolitischen Gesamtkonzepten“ herausgegeben. Darin wurden zum einen die zu bearbeitenden Handlungsfelder beschrieben, die durch das seniorenpolitische Gesamtkonzept bearbeitet werden sollten, und andererseits die Methoden vorgestellt, die bei Bestandserhebung und Bedarfsermittlung zur Anwendung gebracht werden können. Eine der wichtigsten Methoden besteht dabei in der Durchführung einer repräsentativen Seniorenbefragung, um die Bedürfnisse der SeniorInnen bei der Erstellung des seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes gezielt berücksichtigen zu können. Aus diesem Grund wurde Anfang des Jahres 2009 vom MODUS-Institut Bamberg eine repräsentative Seniorenbefragung durchgeführt. Die Ergebnisse der Befragung wurden anschließend als Teilbericht 2 des Seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes für den Landkreis Fürth vorgelegt und in einer Veranstaltung einem größeren Kreis von Entscheidungsträgern und anderen an der Seniorenhilfe im Landkreis Fürth Interessierten vorgestellt.

Um die Ergebnisse der durchgeführten repräsentativen Seniorenbefragung zu vertiefen und die vom MODUS-Institut Bamberg aus der Befragung abgeleiteten Maßnahmenempfehlungen zu ergänzen, wurde am 22.04.2010 ein eintägiger Workshop durchgeführt. Hier wurden die aus der Befragung abgeleiteten Maßnahmenempfehlungen den einzelnen Handlungsfeldern des seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes zugeordnet. Da es sich beim Seniorenpolitischen Gesamtkonzept allerdings auch um eine Fortschreibung des ursprünglichen Seniorenhilfeplanes des Landkreises Fürth handeln sollte, musste die ursprüngliche Konzeption des Seniorenhilfeplanes zusätzlich auch noch hinsichtlich der Veröffentlichungen des Bayerisches Sozialministeriums zur Entwicklung eines „integrativen, regionalen Seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes“ überprüft werden. Da das Konzept des ersten Seniorenhilfeplanes für den Landkreis Fürth jedoch bereits fast alle wesentlichen Aspekte umfasste, die in dem „Eckpunktepapier zur Entwicklung von Seniorenpolitischen Gesamtkonzepten für kreisfreie Städte und Landkreise“ zusammengefasst sind, musste das damalige Konzept nur in wenigen Punkten modifiziert werden. So musste insbesondere die „offene Seniorenhilfe“ stärker ausdifferenziert werden.

Damit auch das neu zu erstellende Seniorenpolitische Gesamtkonzept von den wichtigsten Akteuren im Bereich der Seniorenhilfe im Landkreis Fürth vollständig mitgetragen wird, wurde im durchgeführten Workshop beschlossen – wie bereits bei der Erstellung des ersten Seniorenhilfeplanes im Jahr 2002 – auch diesmal wieder einen Arbeitskreis zur Begleitung des Planungsprozesses zu bilden. Dieser Arbeitskreis tagte im Laufe des Planungsprozesses von Ende des Jahres 2010 bis Ende des Jahres 2012 insgesamt neunmal und konnte dadurch die vom MODUS-Institut Bamberg vorgestellten Ergebnisse zu allen Handlungsfeldern ausführlich diskutieren. Auf dieser Basis konnten für alle dargestellten Handlungsfelder fundierte Maßnahmenempfehlungen abgeleitet werden, wobei stets darauf geachtet wurde, dass möglichst konkrete Maßnahmen empfohlen werden, die bei einer späteren Fortschreibung auch entsprechend überprüft werden können.

Im Anschluss an die im Jahr 2015 durchgeführte fünfte Fortschreibung der Bedarfsermittlung, in deren Rahmen bereits das Handlungsfeld Pflege evaluiert werden konnte, wurde mit der Evaluation der Maßnahmenempfehlungen zu den anderen Handlungsfeldern des seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes begonnen. Im Einzelnen wurde bei den für die Umsetzung der jeweiligen Maßnahmenempfehlung Verantwortlichen (Landratsamt, Gemeinden, Träger von Hilfseinrichtungen, etc.) nicht nur erhoben, ob und inwieweit die jeweiligen Empfehlungen umgesetzt wurden, sondern auch in welcher Form die Umsetzung stattfand. Bei den Maßnahmenempfehlungen, die bisher noch nicht oder nur zum Teil umgesetzt sind, wurden zusätzlich die Gründe eruiert, die für die Nichtumsetzung verantwortlich sind und ebenfalls in den 4. Teilbericht zum Seniorenpolitischen Gesamtkonzept für den Landkreis Fürth eingearbeitet.

Insgesamt ergab sich nach einem Evaluationszeitraum von drei Jahren ein überaus positives Ergebnis, denn von den kurzfristig umsetzbaren Maßnahmenempfehlungen konnten im Landkreis Fürth fast 84% bereits vollständig und die restlichen 16% der Empfehlungen zumindest teilweise umgesetzt werden. Dieses Ergebnis unterstrich noch einmal eindringlich den Erfolg der kontinuierlichen Seniorenhilfehilfeplanung im Landkreis Fürth.

Nachdem im Jahr 2016 die sechste Fortschreibung der Bedarfsermittlung durchgeführt wurde, soll nun im Jahr 2017 erneut eine repräsentative Seniorenbefragung erfolgen, um auch bei der weiteren Seniorenhilfehilfeplanung die Bedürfnisse der SeniorInnen im Landkreis Fürth wieder gezielt berücksichtigen zu können.

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